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Letzte Woche noch hatte ich mir für “meinen” DiensTag der Nachhaltigkeit große Ziele gesteckt. Von A bis Z sollte alles dem grünen, regionalen und saisonalen Daumen gewidmet sein. Doch wie so oft im Leben kam es anders als gedacht.
Vom Bahnfahren mit 700 Büchern
Beruflich stand an diesem Tag eine Reise von Zürich nach Stuttgart und zurück auf dem Programm. Schon letzte Woche suchte ich günstige Zugzeiten und Anschlußverbindungen per Bus im Internet. Gestern ereilte mich dann die Nachricht dass mich dort neben einem Gespräch auch eine 700-Stück starke Buchspende für unsere Bücherbrücke in die Mongolei erwartet. 700 Bücher im ICE? Das wird wohl schlecht zu machen sein. 700 Bücher per Post nach Hause? Auch hier schlägt trotz “GoGreen”-Initiative der Deutschen Post mein Daumen in die andere Richtung. Nach langem Hin und Her musste ich mich für das Auto entscheiden. Wenigstens hatten wir hier einen Benziner. Spontan bot sich mein Bruder als Mitfahrer und Helfer für die 700 Bücher an sodass ich die vielen Zusatzpartikel in der Luft wenigstens nicht alleine schultern muss.
-> Traurige Bilanz: Peugeot 207, Benziner, 440km, 8,3l / 100 km.
Wenn schön nicht grün, dann wenigstens regional und saisonal
Seit neuestem macht die Bahn mit ihren Bio-Menüs nachhaltiges Leben auf Schienen richtig leicht. Auch wenn die Gerichte vielleicht geschmacklich nicht immer der Hit sind, die Zutaten sind zumindest laut Speisekarte 100% Bio und saisonal ausgewählt.
Daher wollte ich unsere traurige Ökobilanz zumindest beim Mittagessen in der Schwabenmetropole wieder wettmachen. Beim Italiener stand diesmal nicht Pangasius oder Südseefisch auf der Mittagskarte, sondern selbstgemachte Pasta mit Spinat. Das ist genau nach meinem Geschmack und schmeckte richtig gut. Ob die Bohnen des Espressos am Ende fair gehandelt waren? Verstutzte Blicke auf Seiten unserer Bedienung. “Das hat mich noch nie ein Kunde gefragt. Schmeckt er Ihnen denn nicht?” Ich versicherte dass es nicht am Geschmack liegt sondern ich mich vielmehr dafür interessiere ob hinter der hausgemachten Pasta mit Spinat eine Geschäftsphilosophie steckt oder ich vielmehr einen Glückstreffer gelandet habe. Die weiteren Worte lassen mich eher in Richtung “Glückstreffer” tendieren. Schwein gehabt…
-> Geschmackliche Höchstnote: Ravioli mit Spinatfüllung, Euro 7,00
Wenn schon das Auto nicht grün, dann wenigstens der Inhalt
Die 700 Bücher und der Peugeot 207 stellten uns wahrlich vor ein logistisches Meisterwerk. Wie bekommen wir die Bücher in das Auto? Umzugskisten wären zu groß und außerdem müssten wir erst einmal welche kaufen gehen – wenig nachhaltig. Da fällt mein Blick auf das Lagerhaus des Unternehmens. Hinter der großen Glastür sortiert ein Mitarbeiter gerade Orangen in Präsentobstkörbe für Mitarbeiter. Die Obstschachteln eignen sich perfekt für unsere Bücher und sind leicht zu stapeln. Mein Herz schlägt höher als ich sehe wie glücklich der Mitarbeiter ist dass er die Kisten nicht entsorgen muss. Ein Punkt für die Nachhaltigkeit! Etwas Besseres hätte uns für die 700 Bücher und das kleine Auto nicht passieren können. Mit deutlich gesenkter Hinterachse machen wir uns von dannen…
-> Glückliche Bilanz: 700 Bücher, 15 Obstkisten aus Holz
Der Rettungsanker der Nachhaltigkeit – die Bücherbrücke
Was passiert mit den 700 Büchern? In Zürich kommen wir am Abend an und sortieren die Bücher nach Kinder-, Jugend- und Schulbuchliteratur. Im Sommer bringen wir sie zusammen mit vielen weiteren Spenden an gebrauchten Englischbüchern in die Mongolei. Vor Ort errichten wir dort eine Bibliothek für Kinder und Jugendliche die sonst keinen Zugang zu Bildung haben. Mit diesem Ziel im Auge hat sich unser Aufwand gelohnt. Oder gibt es etwas Nachhaltigeres als Bildung?
-> Der Retter in der Not: Wissen ist der einzige Rohstoff der sich bei Gebrauch vermehrt.
Müde und zufrieden falle ich heute ins Bett. Auch wenn die Dinge oftmals anders laufen als geplant, jeder noch so kleine Gedanke an Nachhaltigkeit hilft. Für mich hat der heutige Tag Anstoß für mehr Nachhaltigkeit in meinem Leben gegeben. Ich freue mich schon auf die nächste Zugfahrt und das Bio-Menü mit Blick ins Grüne…
