Welt retten für Einsteiger.
30 Gründe für ein gutes Gewissen.

Das erste Buch aus dem Think Tank ist da - von Christian Berg und Manuel J. Hartung.

6. Tag, Samstag 12.12.2009

Zusammenfassungen: Tag 1/ Tag 2/ Tag 3/ Tag 4/ Tag 5/ Tag 6/ Tag 7/ Fazit

„Das Wochenende schafft neue Gelegenheiten für nachhaltiges Verhalten.“ So wurden am Samstag Dinge erledigt, für die unter der Woche keine Zeit ist: z.B. Frisörbesuch, Großeinkauf und Plätzchen backen mit Freunden. „In der Früh gleich zum Friseur gegangen, um mich eines Teils des dicken Winterpelzes zu entledigen, der mein Gehirn nach dem kleinen Temperatursturz vor Unterkühlungen schützt. Zwar habe ich darauf verzichtet, das resultierende Haar als Wärmedämmstoff in meiner Wohnung einzubauen, aber immerhin soll die Energiebilanz dadurch nicht beeinflusst werden. Die Heizungen bleiben unten, auch wenn es heute trotz guter Kleidung doch recht frisch geworden ist.“

Beim Großeinkauf am Wochenende stellten einige fest, dass eine klimaschonende Ernährung einiges an Abwägung im Laden erfordert (z.B. ist bio oder regional wichtiger)? Auch gibt es manchmal Argumente, die gegen die naheliegend beste Variante z.B. bei Eiern (Biofreilandhaltung) aus Hühnerhaltungsgründen sprechen: sind Käfighühner vielleicht doch glücklicher, weil Hühner in Freilandhaltung und großer Gruppe in permanentem Stress leben? Welche Hühnerhaltung ist die Artgerechteste? Trotz unzureichendem Wissen über die beste Art der Hühnerhaltung muss eine Entscheidung getroffen werden nach bestem Wissen und Gewissen. Auch erfordert es einiges an Planung oder eben Umstellung, statt des gewohnten Supermarktes einen lokale Gemüsemarkt zu besuchen, um weniger klimabelastendes Grünzeug zu kaufen. Im Fahrradanhänger wird der Transport nachhaltig bewältigt, allerdings mit einer gewissen Anstrengung verbunden, wobei die Nachhaltigkeitswoche durchaus motivierend wirkt.

Beim Verzehr eines Bio-Leberkäses wird deutlich, dass man mit Kreativität immer gute Gründe findet, um Handlungen mit zweifelhaftem Nachhaltigkeitswert schön zu reden. „Die Klimabilanz bekam allerdings einen kleinen Knick durch bayrischen Bio-Leberkäs aus dem Landkreis, einen Großteil meiner Fleischration diese Woche. Schließlich wollen wir nicht in den Eisenmangel rutschen und deswegen emissionskräftig zum Arzt fahren müssen. Man sieht: Man kann/könnte sich die eigene Bilanz schon irgendwie schönreden, wenn man wollte. Wir sind da ziemlich kreativ.“

Auch wurde wieder versucht Überzeugungsarbeit bei anderen zu leisten, mit mehr oder weniger großem Erfolg: „Abends kann ich einige Kommilitoninnen nicht davon überzeugen, in diesem Jahr auf ihre schöne, helle Lichterkette vor ihrer Studentenwohnung zu verzichten, aber immerhin werden energiesparende LEDs angeschafft.“

Bezüglich Energiequellen wurde „Körperwärme“ als besonders geeignet in mehrfacher Hinsicht gepriesen: „Nicht nur lassen sich in der Dusche oder durch Fahrgemeinschaft Ressourcen und Emissionen einsparen – Körperwärme ist ein hervorragender Ersatz für die Heizung zu Hause und nebenbei ganz im Sinne der Weihnachtstage

Manchmal funktioniert nachhaltiges Ansinnen aber auch einfach nicht, weil es organisatorische oder liefertechnische Engpässe gibt: “Unser Büro-Weihnachtsbaum kam mit Verspätung an. Denn eigentlich hätte es ein Baum sein sollen, der hinterher wieder im Wald eingepflanzt werden sollte und den wir dann über den Sommer hätten besuchen können. Aber das Konzept scheint noch nicht so ausgereift, denn es kam zu Lieferengpässen…“

Ja und dann musste der „Innere Schweinehund“ überwunden werden, um an einer Klimarettungsaktion teilzunehmen: „Am Nachmittag waren Freunde zu Besuch und wir backten Plätzchen. Es war nett und gemütlich, aber ich hatte ja noch eine Verabredung mit dem Klima: anlässlich des heutigen weltweiten Aktionstag für Klimaschutz gab es eine Lichterkette In Kreuzberg. Da musste ich, als bekennende Klimaretterin, natürlich hin. Zugegeben schwächelte ich bedenklich, aber zum Glück hatte der Schneeregen aufgehört. Auch mein Versuch, einen Freund an meiner Stelle dort als Vertretung hinzulotsen, klappte leider nicht. Und da ich immer über die Schimpfe, die alles unterstützenswert finden und dann doch nicht hingehen, (also die sogenannten “Trittbrett Fahrer”: meine Stimme bringt da ja auch nichts, aber wenn die anderen das Klima retten, profitiere ich auch davon), machte ich mich auf den Weg.“