Zusammenfassungen: Tag 1/ Tag 2/ Tag 3/ Tag 4/ Tag 5/ Tag 6/ Tag 7/ Fazit
Nach einer Woche purer Nachhaltigkeit endet hiermit unser Projekt. Der Versuch ist in jedem Fall gelungen: nicht nur, dass wir selbst austesten konnten, wie realitätsnah unsere Kriterien sind - nein, wir hatten auch noch jede Menge Spaß dabei. So kommen wir zu der Erkenntnis, dass es in einer Paarbeziehung wesentlich einfacher ist, CO2 einzusparen. Auch haben wir gesehen, wie unterschiedlich leicht bzw. schwer es den Mitgliedern gefallen ist, in den unterschiedlichen Bereichen CO2 einzusparen. Während es für mich als Großstädterin ein leichtes war, auf Individualverkehr zu
verzichten, sieht das für die Familie auf dem Land, insbesondere auch in den USA, ganz anders aus. Auch die Priorisierung der Mitglieder ist interessant: Während die einen versuchen, insbesondere ihr
Konsumverhalten bei Nahrungsmitteln zu ändern, stehen bei anderen der Transport und das Freizeitverhalten im Vordergrund.
Lustig war es auch zu lesen, wie die unterschiedlichen Freundes - und Bekanntenkreise auf das Projekt reagieren. Während manche Mitglieder ihre Umgebung in Ruhe gelassen haben und nicht versucht haben, Dritte von ihrem Lebenswandel zu überzeugen, wurden manche auch missionarisch tätig - mit unterschiedlichem Erfolg. Keiner wurde jedoch als “naiver Gutmensch” abgetan und einige hatten sogar Erfolg und haben es geschafft, auch andere mit dem Nachhaltigkeitsvirus zu infizieren.
Auch an den tt30 Mitgliedern geht die (Schweine?)Grippewelle nicht gänzlich vorbei. So kommt es, dass einige rückmelden, den Tag sehr nachhaltig im warmen Bett verbracht zu haben und entsprechend wenig andere Aktivitäten unternommen haben. Ein interessanter Kommentar diesbezüglich aus England: „Nun ja, der Schweinegrippenselbsttest hat zumindest ergeben, dass ich wohl wahrscheinlich keine habe. Interessanterweise hätte ich bei positivem Ergebnis einen Code erhalten, mit dem dann ein “Flu-Friend” zur Apotheke hätte gehen können, um mir Tamiflu zu besorgen. Sehr effektiv und entlastet das britische Gesundheitssystem.“
Auch in Sachen „Bildung“ und „Erziehung“ zur Nachhaltigkeit waren einige Mitglieder wieder aktiv bzw. stellten sich die Frage, wie weit sie diesbezüglich gehen dürfen/sollen/wollen. „Zuhause habe ich mal wieder darüber gestaunt, was wir für einen hohen Spülmittelverbrauch haben. Ich weiß echt nicht, was mein Mitbewohner damit macht. Trinken wird er es ja wohl kaum. Sollte ich ihn jetzt dazu erziehen, damit rationaler umzugehen? Immerhin habe ich vor einem Jahr angefangen, Ecover zu kaufen und Ihr werdet es kaum glauben: Das gleiche Mittel kauft jetzt auch mein Mitbewohner.“
„Bezüglich unserer Elterngeneration hatte ich diese Woche auch ein interessantes Gespräch mit einer Freundin. Dürfen wir unsere Eltern “bekehren”? Können wir unseren Eltern, die so viele Jahre im (blinden?) Fortschritts- und Wachstumsglauben gelebt haben nun sagen, dass das alles mist war? Wie würde es mir wohl ergehen, wenn meine Kinder mir, wenn ich alt bin, sagen: ist ja schön und gut, was du gemacht und erreicht hast, aber du hast die Prioritäten leider falsch gesetzt? Wie sollen sie sich, die sie sich Jahrzehnte an so viele Annehmlichkeiten gewöhnt haben, nun umstellen? Wenn es mir schon schwer fällt, wie muss das für sie sein?“
„Das “Licht-Ausmachen-Schild” von Anfang der Woche, das sich meine Kollegen auf der Arbeit derweil anschauen dürfen, hat im Übrigen zu ca. 50% funktioniert. Einige positive (auch einige belustigte) Rückmeldungen ergab auch der neue Fair Trade Kaffee.“
So kurz vor Weihnachten stand für einzelne auch der Kauf von Geschenken an. Vielfältige kreative, lustige oder pädagogische Nachhaltigkeitsgeschenke wurden erstanden: „Die Geschenke dieses Jahr sind toll - echt: Habe vom Klimaquiz bis zum CO2-Spar-Gutscheinbuch über ein Abo für eine Münchner Nachhaltigkeitszeitung nur pädagogisch wertvolle Dinge eingekauft. Sogar die Karten habe ich aus dem leicht esoterisch angehauchten Ökoladen.“
Mit großer Freude wurde in der Vorweihnachtszeit festgestellt, dass „Bio“ immer mehr „mainstream“ wird und auch auf dem Weihnachtsmarkt (und dem Oktoberfest) zunehmen Essenstände mit biologischer oder regionaler Kost zu haben war. „Ansonsten war ich auf dem Christkindlmarkt und habe Bio-Glühwein getrunken - in München aber gar nichts besonderes. Als ich aufmerksam über den Markt gehe fällt mir auf, dass es eigentlich jeden Essensstand auch in Bio und regional gibt. Der Stadtrat, mit dem ich da war hat mir das erklärt: Ein Drittel der Plätze wird jedes Jahr neu vergeben. Und in unserer rot-grünen Verwaltung ist es inzwischen so, dass Budenbesitzer einfach bessere Chancen auf einen Platz haben, wenn sie Bio-Sachen verkaufen. Mir solls recht sein.“
Einige Mitglieder nutzten auch den letzten Tag der Nachhaltigkeitswoche zu einem Fazit: „Durch unsere Woche ist mir nochmal deutlich geworden, welch tiefgreifende Veränderungen mit einem wirklich nachhaltigen Lebensstil verbunden sind, die vorallem neu, und damit erstmal ungewohnt und fremd sind. Aber auch eine vorausschauende Planung ist oft gefordert, wenn man z.B. immer den ÖPNV nimmt, dann vielleicht früher aufstehen und damit den ganzen Rhytmus der Familie verändern muss. Oder auch weil Bioprodukte einfach nicht so lange halten. Vieles ist auch mit deutlichem Mehraufwand verbunden, z.B. zertifizierte Blumen zum Verschenken zu finden. (Um das zu vereinfachen, arbeitet das Berliner Nachhaltigkeitsnetz derzeit an einer übersichtlichen Berlinkarte, die das ansprechend visualisiert:-)) Fazit: Es gibt viel zu tun und angefangen haben wir auch schon. Nun gilt es die gesamtgesellschaftlichen Veränderungsprozesse im Großen voranzubringen und parallel im Kleinen weiterzumachen, ohne dabei die Lust und die Hoffnung zu verlieren.“
„Für einen wichtigen Bestandteil der Nachhaltigkeitswoche halte ich es, dass sie selbst nachhaltig bleibt. Dass man nicht sofort wieder in eingefahrene Verhaltensmuster zurückfällt, sondern die vergangenen Tage vielmehr als Anstoß betrachtet, auch im langfristigen Rahmen bedachter zu leben.
Auch ihr habt gewiss gespürt, wie überraschend schwer manche Angewohnheiten doch zu ersetzen sind. Und zu mehr als einer Gelegenheit war ich so frustriert darüber, dass ich ordentlich ins Grübeln verfallen bin. Der daraus resultierende Beitrag wirkte wohl leider sogar ein wenig ansteckend. Wie dem auch sei, es hat mir - und vielen andere Mitgliedern mit Sicherheit auch - großen Spaß gemacht, davon zu lesen, wie wir in den unterschiedlichsten Situationen mit den kleineren und größeren Herausforderungen der Nachhaltigkeit umgehen. Und ganz nebenbei hat diese Aktion Mitglieder eines TT30, die sich häufig nur wenige Male im Jahr sehen und weit über den Globus zerstreut sind, in ganz spannender Weise zusammengeführt.“
