Welt retten für Einsteiger.
30 Gründe für ein gutes Gewissen.

Das erste Buch aus dem Think Tank ist da - von Christian Berg und Manuel J. Hartung.

Fazit zur Nachhaltigkeitswoche des Think Tank 30

Zusammenfassungen: Tag 1/ Tag 2/ Tag 3/ Tag 4/ Tag 5/ Tag 6/ Tag 7/ Fazit

Nach einer Woche Nachhaltigkeit pur endete die Nachhaltigkeitswoche des Think Tank 30. Wir haben getestet, wie realitätsnah unsere Kriterien für einen nachhaltigen Alltag sind. Dabei wurden vielfältige Dinge ausprobiert und eine Menge Anregungen und Tipps unter den Beteiligten ausgetauscht: vom alternativen Suchserver „blackle.com“ statt „google“, Ipod-Applikation zur CO2-Einsparung, CO2-neutralen Verlagen bis hin zu nachhaltigen Geschenk- und Bastelideen etc. das Lesen der Alltagsschilderungen der anderen tt30 Mitglieder machte dabei sehr viel Spaß und hatte den positiven Begleiteffekt, dass wir uns auch besser kennenlernten.

Unterschiedliche Lebenslagen – unterschiedliche Herausforderungen und Priorisierung
Im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche wurde deutlich, dass die Umsetzung der Nachhaltigkeitskriterien für die Beteiligten unterschiedliche Herausforderungen bereit hielt. Kein Wunder, denn die Beteiligten leben in sehr unterschiedlichen Kontexten wie z.B. einer ländlichen Region in Californien, einer Kleinstadt in Deutschland oder einer Großstadt in England. Auch befinden sich die tt30 Mitglieder in unterschiedlichen Lebensphasen: während die einen studieren und damit verbunden ein geringes monatliches Budget zur Verfügung haben, sind viele im Berufsalltag angekommen und einige haben bereits Familie gegründet. Je nach Lebenssituation war es für die Beteiligten unterschiedlich leicht bzw. schwer, in den verschiedenen Bereichen CO2 einzusparen, wobei die Beteiligten den Schwerpunkt ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten sehr unterschiedlich gesetzt haben. Während die einen versuchten, insbesondere ihr Konsumverhalten bei Nahrungsmitteln zu ändern, gingen andere in Sachen Mobilität neue Wege oder versuchten Veränderungen in der Arbeit anzustoßen. Während es in der Stadt einfach war, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, ist dies z.B. in ländlicheren Gegenden schwierig und nur mit enormen zeitlichen Mehraufwand zu leisten. So wurden die Nachhaltigkeitswoche dafür genutzt, alternative Verkehrswege auszuprobieren und so fuhr z.B. ein tt30 Mitglied in Californien mit 3 verschiedenen Bahngesellschaften an einem Tag und mit einem zeitlichen Mehraufwand von 2 Stunden zur Arbeit. Deutlich ausgeruhter als sonst kam er in der Arbeit an, jedoch mit der Erkenntnis, dass dieser zeitliche Mehraufwand im Alltag nicht täglich zu leisten ist.

Auch bei der Frage danach, was Nachhaltigkeit bedeutet gingen die Auffassungen auseinander. Die meisten Mitglieder, die an dem Projekt beteiligt waren, achteten hauptsächlich auf ihren Umgang mit der Ressource „Umwelt“. Der Begriff Nachhaltigkeit hatte für einen Großteil von uns also eine ökologische Ausrichtung. Einige Mitglieder fassten den Begriff der Nachhaltigkeit jedoch weiter auf: So beachteten sie unter anderem auch die Nachhaltigkeit im sozialen Sinne. Je nachdem, mit welchem Hintergrund wir uns dem Thema „Nachhaltigleit“ näherten, änderten wir auch unser Verhalten und setzten unterschiedliche Standards.

Reaktionen im Freundeskreis - Erziehung / Bildung zur Nachhaltigkeit
Spannend war auch, wie die unterschiedlichen Freundes – und Bekanntenkreise der TT30 Mitglieder auf das Projekt reagierten. Während manche Mitglieder bewusst missionarisch in der Arbeit oder zuhause in Sachen Nachhaltigkeit tätig wurden, konzentrierten sich andere auf sich. Vielen stellte sich die Frage, in wieweit andere zu nachhaltigem Verhalten erzogen werden müssen oder eben auch nicht. Muss man Mitbewohner dazu erziehen, weniger Geschirrspülmittel zu verwenden? Dürfen wir von unserer Elterngeneration fordern, dass sie ihre Prioritäten verschiebt? Und wie können wir unseren Kindern das Thema Nachhaltigkeit am besten vermitteln? Auf all diese Fragen haben wir nicht die Patentlösung gefunden. Aber wir halten es für sinnvoll, die Menschen zum Nachdenken über ihren CO2 Fußabdruck anzuregen. Die Nachhaltigkeitswoche stieß in dieser Hinsicht vielfältige Diskussionen an und scheint den einen oder anderen im Freundeskreis ebenfalls zu einer nachhaltigeren Lebensweise inspiriert zu haben.

Nachhaltiges Leben ist anders und noch nicht „mainstream“
Mit der Anwendung und Umsetzung von Nachhaltigkeit im Alltag waren natürlich auch einige Schwierigkeiten und Anstrengungen verbunden, da es eben noch nicht „mainstream“ ist, sich „nachhaltig“ und zukunftsfähig zu verhalten. Immer wieder geriet unser nachhaltiges Ansinnen in Kollision mit unserer eigenen Zeitplanung, familiären Verpflichtungen, beruflichen Erfordernissen, Kosten, unserer Gesundheit, Bequemlichkeit oder schlicht unseren Gewohnheiten. Auch beim besten Willen klappte manchmal nachhaltiges Ansinnen aus organisatorischen Gründen nicht, wie z.B. der Weihnachtsbaum zum wieder einpflanzen, der nicht rechtzeitig geliefert wurde. Oder der Weg zum Bioladen, der zu Fuß bei Regenwetter mit quengelndem Kleinkind einfach zu weit wurde.
Auch ist vieles mit deutlichem Mehraufwand verbunden, da die nachhaltigen Produkte teilweise nur in ausgesuchten Fachgeschäften angeboten werden wie z.B. zertifizierte Blumen und damit verbunden mehr Zeit eingeplant werden muss. Hier scheint es noch deutlichen Bedarf zu geben, das vorhandene Angebot an Nachhaltigkeitsmöglichkeiten transparenter einer breiteren Bevölkerung nahe zu bringen!

Nachhaltigkeit erfordert Umstellung
Im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche wurde deutlich, dass eine Umstellung auf eine nachhaltige Lebensweise Umstellung im Sinne einer vorausschauenderen Planung erfordert, um z.B. auf dem regionalen Wochenmarkt Lebensmittel einzukaufen, der nur 1-2 Mal in der Woche geöffnet hat. Oder auch weil z.B. Bioprodukte nicht so lange haltbar sind. Beim Einkaufen muss permanent abgewogen werden, und teilweise müssen auch bei mangelndem Wissen über den CO2 Fußabdruck des Produkts, Entscheidungen getroffen werden. Manchmal ist die naheliegende Lösung die Beste, z.B. regionales und saisonales Obst und Gemüse. Aber irgendwann im Frühjahr dreht sich durch die Kühlung des regionalen Obstes der CO2 Abdruck des regionalen Apfels zu seinen Ungunsten um und importiertes Obst aus Argentinien reist mit geringerer CO2 Belastung an. Diese Komplexität der Zusammenhänge macht es erforderlich, dass wir ständig neue Informationen über nachhaltige Produktions- und Verhaltensweisen einholen und permanent abwägen. Auch wenn von Einzelnen bemerkt wurde, dass es immer mehr positive, nachhaltige Beispiele gibt, z.B. auf dem Münchner Weihnachtsmarkt immer mehr Bio- und regionale Stände oder bei der Deutschen Bahn Bioangebote auf der Speisekarte, so bleibt die Umsetzung eines nachhaltigen Lebensstils ein alltägliche Herausforderung.

Eine Umstellung auf Nachhaltigkeit ist ein langer Prozess, der erfordert, manches Vertraute über Bord zu werfen, mit Schönrederei aufzuhören und den inneren Schweinehund zu überwinden. Wie wir an uns selber merken, ist das Verändern alles andere als einfach und dabei gehören wir zu den motivierten Vorreitern! Aber auch wir merken, dass durch den permanenten Zeitdruck unter dem wir stehen, die notwendige alltägliche Auseinandersetzung des Abwägens, Überprüfens und Veränderns nur allzu leicht auf der Strecke bleibt. Nachhaltigkeit fällt im turbulenten Alltag immer wieder hinten runter, wird von vermeintlich wichtigerem überdeckt und das Weltretten mal wieder auf Morgen verschoben. Es ist einfach unglaublich schwierig, langfristige Gefahren den Vorrang zu geben vor alltäglichen Annehmlichkeiten mit leider negativen Auswirkungen für das Klima!

Ein wirklich nachhaltiger Lebensstil ist für viele von uns mit tiefgreifenden Umstellungen verbunden. Hierbei ist insbesondere das Thema Mobilität ein Hauptproblem der tt30 Mitglieder, wie an vielen Ausführungen deutlich wurde. Nicht alle von uns können ihr Leben so einrichten, dass sie alles mit dem Fahrrad oder Nahverkehr erledigen können. Viele Berufe sind ohne umfassende Mobilität nicht auszuüben und dem ein oder anderen scheint es nahezu unmöglich, Veränderungen in Sachen Mobilität konkret umzusetzen. Dies ist natürlich äußerst schade und sollte uns wach rütteln: Wenn es in unserer Zeit nur bedingt möglich ist, auf Mobilität zu verzichten, dann muss mit aller Anstrengung Mobilität nachhaltig umgestellt werden!

Nachhaltigkeit schafft neue Möglichkeiten
Eine wichtige Erkenntnis der Nachhaltigkeitswoche ist, dass Nachhaltigkeit zusammen deutlich mehr Spaß macht. Es hat uns Spaß gemacht, Nachhaltigkeit gemeinsam auszuprobieren und darüber zu berichten, voneinander und miteinander zu lernen. Auch wurde schmunzelnd festgestellt, dass „miteinander“ deutlich nachhaltiger gelebt werden kann. So können Ressourcen geschont werden z.B. durch Körperwärme statt Heizung oder gemeinsames Duschen; aber auch Emissionen können z.B. bei gemeinsamen Fahrten vermieden werden. Nachhaltigkeit kann somit vielleicht auch etwas zum abhanden gekommenen Wir-Gefühl beitragen bzw. neue Wir-Erlebnisse erzeugen. Aber biologisch erzeugte Lebensmittel sind auch einfach leckerer, wie wir wieder feststellen durften und auch ein Spaziergang anstatt einer Taxfahrt kann eine Bereicherung sein.

Es gibt viel zu tun und angefangen haben wir auch schon. Nun gilt es, unsere Nachhaltigkeitsbestrebungen weiter auszubauen, ohne dabei die Lust und die Hoffnung zu verlieren. Wie deutlich wurde, sollte die Nachhaltigkeitsliste weiter ergänzt werden und anderen zur Verfügung gestellt werden. Parallel zu unseren Aktivitäten im Kleinen müssen aber natürlich vor allem gesamtgesellschaftliche Veränderungsprozesse im Großen in Richtung einer nachhaltigeren Produktions- und Lebensweise vorangebracht werden.

Projektverantwortliche: Milena Riede und Hanna Sammüller