Zusammenfassungen: Tag 1/ Tag 2/ Tag 3/ Tag 4/ Tag 5/ Tag 6/ Tag 7/ Fazit
Eines ist nach dem ersten Tag schon klar: Das Projekt macht unglaublich Spaß! Viele Mitglieder haben sich eingetragen und ihre Erfahrungen im Intranet veröffentlicht. Die Beiträge sind unglaublich lustig zu lesen und es macht Spaß, die beruflich so erfolgreichen jungen Menschen dabei zu beobachten, wie sie versuchen, Nachhaltigkeit im Alltag umzusetzen. Schnell wird deutlich, dass ein nachhaltiger Alltag längere Planung erfordert und oft auch unbequemer ist, weil “Nachhaltiges Leben” eben noch nicht “mainstream” ist: mit deutlichem Mehraufwand bekommt man in London über das Firmenreisebüro eine Bahnfahrkarte statt einem Flugticket. Bei schlechtem Wetter und mit quengelndem Kleinkind wird der Weg zum Bioladen zu Fuß zu weit, so dass doch im normalen Supermarkt eingekauft wird. Und auch der Fahrradgepäckträger zum Abholen des Schulkindes ist leider eher unbequem und damit mäßig beliebt.
Fast alle BerichterstatterInnen haben sich gestern weitgehend fleischlos ernährt und waren dabei z.T. angenehm überrascht z.B. vom “vegetarischen Burrito” in Kalifonien. Aber es wurde auch deutlich, dass es beim Essen auswärts schon schwieriger wird, sich biologisch und fleischlos zu ernähren und zudem noch Müll zu vermeiden. Wird doch in der Mensa z.T. kein vegetarisches Gericht angeboten oder wenn nur in Einmalwegwerfplastikverpackung. Der Kaffee kommt bei Freunden z.T. aus kleinen Wegwerfkapseln oder in der Uni aus Plastikbechern. Da muss erst mal ein Coffee-mug gekauft werden.
Die meisten mitschreibenden Mitglieder haben am Montag kein Auto genutzt und wenn doch, zumeist umweltfreundliche mit geringem CO2 Ausstoß. Vielmehr wurde zumeist die S- und U-Bahn sowie das Fahrrad genutzt. Aber aufgrund des zu spät gestellten Weckers, um Sachen zu transportieren oder das Pensum Arbeit-Familie überhaupt zu schaffen, wurden doch Autos benutzt.
Für mehr Lebensfreude sorgten auch die Einsparungen, die dadurch entstehen, dass zwei Personen eine klimaschädliche Aktion miteinander teilen: Zum Beispiel das Taxi nach Hause von der Weihnachtsfeier oder auch die morgentliche Dusche. In diesem zwischenmenschlichen Bereich ist der Öko-Lebensstil also unschlagbar gewinnbringend;-).
Gerade in der Adventszeit ist es mit Kindern nicht ganz einfach, sich nachhaltig zu verhalten. Offensichtlich sind auch noch nicht alle Nikoläuse mit fairer Bio-Schokolade und Bio-Nüssen vertraut, was den Kindern jedoch ziemlich egal ist. Gerade in der Vorweihnachtszeit werden speziell Kinder überschüttet mit Adventskalendern und Süssigkeiten, was auch nur bedingt von den Eltern beeinflussbar ist. Vielmehr wollen Großeltern, Onkel und Tanten den lieben Kleinen eine Freude machen und dies in “Bio” oder “nachhaltig” hinzubekommen, ist eine echte Herausforderung.
Einige Mitglieder äußerten, dass sie froh sind, dass sie zufällig in dieser Woche keine Flüge anstehen haben. Doch eine echte Alternative für die Flüge aus beruflichen Gründen gibt es zumeist nicht. Da hilft im Zweifel einfach nur der Ablasshandel mit Atmosfair oder ähnlichen Organisationen. Beim Thema Transport wird also deutlich aufgezeigt: In einer Woche lässt sich hier am Verhalten wohl so gut wie nichts ändern. Die Umstellung zu einem wirklich klimafreundlichen Umgang mit dem Thema Transport wird wohl eher länger dauern.
Gespannt warten wir auf weitere Erfahrungsberichte unserer tt30 Mitglieder, insbesondere auch auf die von Mitgliedern, die derzeit im Ausland unterwegs sind und sich z.B. in Afrika gerade die Frage stellen, ob eine Autofahrt besser ist als ein Inlandsflug
Hier einige Original Töne:
“Heute abend dann Weihnachtsfeier. Natürlich mit dem Rad hin, befürchte aber, dass ich auf dem Weg zurück ein Taxi brauchen könnte - sonst droht akute Gefahr für Leib und Leben. Ob das den CO2-Ausstoß des Taxis rechtfertigt? wahrscheinlich besser, wenn wir dann zu zweit fahren. Das soll aber nicht heißen, dass ich aus Klimaschutzgründen nun für One-Night-Stands zu haben bin.”
“Zum Fruehstueck: eine Tasse Pfefferminztee (unbekannte Oekobilanz) und Ruehrei, letztere wahrscheinlich aus Massentierhaltung, denn ich kenne diese grauen Eierkartons aus dem “Trader Joe’s” Supermarkt, zu denen die Studenten immer greifen. Eier sind fuer mich traditionell ein Produkt, bei dem ich gerne ein paar Cent mehr ausgebe, um Bio-Eier aus Freilandhaltung zu erstehen - ich bin auf einem kleinen bayerischen Bauernhof aufgewachsen und habe selbst unsere Huehner gefuettert, und habe daher eine Art emotionales Verhaeltnis zu meinem Fruehstuecksei. Aber als hoeflicher Gast beschwere ich mich nicht, schliesslich hat der Tag ja auch gerade erst begonnen.”
“Ich meine es ernst: nächstes Jahr wird deutlich mehr Fahrrad gefahren, vielleicht sollte ich mir anlässlich der tt30-Nachhaltigkeitswoche schon mal ein Fahrrad anschaffen (und vegetarische Rezepte erweitern).”
“Mittags super lecker im Bio/Fairtrade Café gegessen: Home Made Soup, klasse Salat und frischgepressten Saft. Erst hinterher fiel mir auf, dass sich dies ja auch positiv auf meine NH-Bilanz ausübt. Manches mögen wir einfach eh gerne und Bioessen gehört garantiert dazu.”
“Der Großteil des verbliebenen Tages wurde in die Nachbereitung von Univorlesungen investiert. Bei ausgeschalteten Heizungen und einem zusätzlichen Pullover. Eine einfache Methode, ein wenig Energie und Geld einzusparen. Das geht allerdings auch nur bis zu einer gewissen Schichtdicke.”
“Meine erste nachhaltige Aktivität heute morgen: Duschen zu zweit, mit meiner Interims-Lebensabschnittspartnerin. Allein aus Wasserspargründen natürlich.”
